Carte Blanche

21.06.2017

Welche Perspektiven bietet grenzüberschreitende Innovation am Oberrhein?

Neues wagen! Dies ist heute genauso entscheidend wie damals!

Prof. Dr. Thomas Bürgi, Professor of Organisational Behaviour an der Edinburgh Business School der Heriot-Watt University, Mitglied der Begleitgruppe der Regio Basiliensis

Innovation bezeichnet Erneuerung. Sie handelt davon, Neues zu denken, Neues zu wagen. Innovation fordert Courage in einer Zeit, in der Grenzen gezogen und Mauern errichtet werden. Zivilcourage. Auch und gerade am Oberrhein.

Vor 18 Jahren rief mich der damalige Direktor der damaligen Fachhochschule beider Basel (FHBB, heute: FHNW), Professor Hansjörg Wirz, in sein Büro in Muttenz. Er legte mir dar, dass wir einen trinationalen Studiengang im Bereich Wirtschaft entwickeln sollten, gemeinsam getragen und verantwortet von der Fachhochschule beider Basel (FHBB), der Université die Haute Alsace und der Berufsadademie Lörrach (heute Duale Hochschule Baden-Württemberg). Beginn des neuen Studiengangs sollte der Herbst 2000 sein. 

Es folgten erste Treffen mit Verantwortlichen aus Deutschland und Frankreich. Bald war ersichtlich, dass unser überaus ambitioniertes Projekt grosse Hürden zu überwinden hätte. Stirnen legten sich in Falten, Paris wurde angeführt, und Stuttgart. Validierungsparcours unseres neuen Bachelor of Science in International Management galten als schier unüberwindlich. Bern erachteten wir dabei als kleinstes Problem. 

Als das Curriculum unseres trinationalen Studiengangs schliesslich Formen anzunehmen schien und die Verträge in einer feierlichen Zeremonie in Colmar unterzeichnet werden sollten, war das gewohnte französische Team zwar zugegen, spielte hingegen bereits keine aktive Rolle mehr. An der Université de Haute Alsace hatten Wahlen stattgefunden, die Leitung hatte turnusgemäss gewechselt und mit ihr die Teams, welche bedeutende Projekte verantworteten.

Wir setzten unsere Arbeit in neuer Besetzung unbeirrt fort. Mittlerweile ist es eine Selbstverständlichkeit, dass unsere trinationalen Studierenden gemeinsam zwei Semester in jedem Land verbringen, in deutscher, französischer und englischer Sprache lernen und kommunizieren und drei verschiedene Hochschulabschlüsse erlangen. Ihre interkulturellen Erfahrungen, das Lernen im mehrsprachigen Team und die Freundschaften sind von unschätzbarem Wert für ihre berufliche und private Laufbahn.

Heute verlangen viele nach neuen Rahmenbedingungen, welche grenzüberschreitende Innovationen ermöglichen sollen. Ich weiss nicht, ob die damaligen Rektoren und Direktoren der beteiligten Hochschulen die heutigen Wartefristen und Politparcours erfolgreich meistern würden. Damals war klar: Sie wollten einfach. Punkt.  

Mit der Carte Blanche bieten wir Fachleuten eine Plattform, auf der sie Impulse zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit geben und ihre Visionen zur Entwicklung im Dreiland darlegen können. Im Jahr 2017 veröffentlichen wir Beiträge zum Thema "Welche Perspektiven bietet grenzüberschreitende Innovation am Oberrhein?"  

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