Carte Blanche

10.04.2018

Lernort Grenzregion? Welche Chancen für die Bildungsregion am Oberrhein?

Miteinander leben – Voneinander lernen! 
Das Deutsch-Französische Gymnasium in Freiburg. 
Johannes Remmer, Schulleiter am DFG Freiburg

Das Deutsch-Französische Gymnasium in Freiburg ist eines von drei öffentlichen, binationalen und bikulturellen Begegnungsschulen mit besonderem Status auf der Grundlage des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages von 1963. Die Schülerinnen und Schüler erleben authentisch französische und deutsche Lehrer und Unterrichtsmethoden. Schüler, Eltern und Lehrer haben ihre Wurzeln in zahlreichen Ländern Europas und auch im Rest der Welt. Jedoch ist dies keine Hürde, sondern eine Bereicherung: Alle leben und arbeiten zusammen und teilen sowohl ihre Kultur als auch ihre Gebräuche. Hier, am Deutsch-Französischen Gymnasium bringen uns unsere Unterschiede zusammen. Unsere Leitperspektive: Miteinander leben – Voneinander lernen!

Der besondere Bildungsauftrag dieser binationalen Schule ist bestimmt von dem Ziel, junge Menschen beider Nationen durch enge Kommunikation und Zusammenarbeit in der Schulgemeinschaft im Geist der Verständigung und der gegenseitigen Achtung zu erziehen. Das Deutsch-Französische Gymnasium stellt sich die Aufgabe, den deutschen und französischen Schülern durch einen harmonisierten Bildungsplan, der die wesentlichen Lehrziele beider Schulsysteme koordiniert, eine gymnasiale Bildung zu vermitteln, die auf der Basis einer vertieften Kenntnis der Partnersprache und ihrer Bildungsgehalte auf die Entwicklung einer europäischen Denkhaltung ausgerichtet ist. 

In den Klassen 5 und 6 erhalten die deutschen Schüler einen intensiven, auf Hören, Verstehen und Sprechen ausgerichteten Französischunterricht, größtenteils in Kleingruppen (8 bzw. 6  Wochenstunden). Damit werden die für den Einstieg in den zweisprachigen Lehrgang erforderlichen Sprachkenntnisse vermittelt. Das Gleiche gilt für die französischen Klassen 6e und 5e. Die Unter- und Mittelstufe (Sekundarstufe I) umfasst jeweils zwei deutsche und zwei französische Klassen, die zunächst parallel geführt und nach oben hin in einer zunehmenden Zahl von Fächern (Sport, Musik, Kunst, Englisch, Erdkunde, Geschichte u.a.) von Lehrkräften beider Nationen gemeinsam unterrichtet werden. Ab Klasse 6 wird als 2. Fremdsprache Englisch gelehrt; ab Klasse 8 werden Spanisch, Italienisch und Latein als fakultative Fächer angeboten. 

In der Sekundarstufe II (Klasse 10 bis 12) besteht die Wahl zwischen einem sprachlich-philosophischen, einem mathematisch-naturwissenschaftlichen und einem wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen  Zweig. Die Schüler werden hier vollständig integriert, d.h. deutsche und französische Schüler sitzen gemeinsam in der gleichen Klasse und der Unterricht wird je zur Hälfte von französischen Lehrern in französischer Sprache und von deutschen Lehrern in deutscher Sprache erteilt.  

Den Abschluss des Deutsch-Französischen Gymnasiums bildet die gemeinsame deutsch-französische Abiturprüfung. Das Zeugnis über das bestandene Abitur verleiht seinen Inhabern alle Berechtigungen, die mit dem Zeugnis des deutschen Abiturs in der Bundesrepublik Deutschland und des französischen Baccalauréat in Frankreich verknüpft sind.

Das DFG hebt sich insbesondere durch seine sehr lebendige Schulgemeinschaft hervor. Es gibt eine Vielzahl interessanter AGs und ehrenamtlicher Gruppierungen / Tätigkeiten: So gibt es  z.B. Schulsanitäter, Schüler-Streitschlichter, „s©olaire“, eine SOLAR-AG,  und „EQUIWI“, eine Fair-Trade-AG. Im Frühjahr 2017 entstand inmitten der gesamten Schulgemeinschaft ein in acht Sprachen verfasster Pro-Europa-Appell („Man spielt nicht mit der Europäischen Union“), der von vielen Tageszeitungen und anderen Medien in ganz Europa aufgegriffen und veröffentlicht wurde.

Foto: Binationale Leitung des Deutsch-Französischen Gymnasiums Freiburg - der deutsche Schulleiter Johannes Remmer mit der französischen Schulleiterin Annik Bermond.

Mit der Carte Blanche bieten wir Fachleuten eine Plattform, auf der sie Impulse zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit geben und ihre Visionen zur Entwicklung im Dreiland darlegen können. Im Jahr 2018 veröffentlichen wir Beiträge zum Thema "Lernort Grenzregion? Welche Chancen für die Bildungsregion am Oberrhein?"  


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