Carte Blanche

18.06.2020

Klima und Energie am Oberrhein – Aktuelles, Projekte, neue Technologien und innovative Lösungen

Interreg und der Green Deal der Europäischen Union: neue Chancen für die Klima- und Energie-Vorzeigeregion Oberrhein?
Andreas Doppler, Leiter Förderprogramme bei der Regio Basiliensis

Die EU soll ein Viertel ihres Haushalts in klimarelevante Investitionen lenken, alle restlichen Ausgaben sollen quasi klimaneutral erfolgen. Dazu gibt es neue Finanzinstrumente. Der Oberrhein ist insbesondere dank Interreg für diesen Green Deal der EU gut gerüstet.

Bereits im Jahr 2006 haben die Gebietskörperschaften von der Nordwestschweiz über das Elsass und Baden bis in die Südpfalz eine gemeinsame Klimaschutzstrategie angenommen. Sie hielt fest, den Klimaschutz am Oberrhein interdisziplinär und grenzüberschreitend anzugehen. Die klimapolitischen Ziele umfassten in erster Linie den Ausbau von Effizienztechnologien und erneuerbaren Energien, um so die spezifischen CO2-Emissionen im Oberrheingebiet nachhaltig zu reduzieren und die Unabhängigkeit von problematischen Energieträgern zu erhöhen. Die Entscheidung war wegweisend und von Weitblick geprägt. Dieser Ansatz fand auch Eingang in die Strategie 2030 der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) als Klammer der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Der Oberrhein soll zum Exzellenzraum für erneuerbare Energien und für den sparsamen Einsatz von Energie weiterentwickelt werden.

Es sollte nicht bei politischen Absichtserklärungen bleiben: Dem gemeinsamen Willen, den Oberrhein zur Klima- und Energie-Vorzeigeregion zu entwickeln, wurde mit der Schaffung des trinationalen Netzwerks TRION besonderen Nachdruck verliehen. Durch die Vernetzung von Fachleuten aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft wurde das Knowhow am Oberrhein gesteigert und die Wirtschaft für den wachsenden Energie- und Klimasektor fitter und wettbewerbsfähiger gemacht. Die besondere Grenzlage am Oberrhein nutzten die Akteure dabei als Vorteil, indem Best Practice-Austausche organisiert und Komplementaritäten erkannt wurden. 

Seither sind weitere grenzüberschreitende Netzwerke und Projekte entstanden. Von grosser Bedeutung für diese Entwicklung ist das Förderinstrument Interreg Oberrhein. In seiner Strategie sind die Ziele einer CO2-ärmeren, nachhaltigeren Wirtschaft und Gesellschaft festgeschrieben. Dank Interreg konnte der Oberrhein seine Position als Energie- und Klimamodellregion weiter festigen. Das belegen Projekte wie der Oberrheinische Cluster für Nachhaltigkeitsforschung der EUCOR-Universitäten oder Clim’Ability, welches sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft beschäftigt. 

Für die neue Interreg-Programmperiode ab 2021 wird ein «grüneres Europa» weiter an Bedeutung gewinnen. Die Corona-Krise hat bereits zuvor bestehende Tendenzen im Bereich Klima und Energie verstärkt (Verringerung von Abhängigkeiten im Allgemeinen und Kreislaufwirtschaft im Besonderen) und die von der EU-Kommission vorgelegte Strategie zeigt mit dem Green Deal in dieselbe Richtung. Wesentlich ist dabei, dass die (CO2-intensive) Wirtschaft nicht neue Fesseln, sondern Unterstützung im Anpassungsprozess der grünen Wende erhält. Die Neue Regionalpolitik des Bundes als Schweizer «Pendant» zu Interreg zieht am selben Strang, wenn es um die Förderung des Unternehmertums und die Erhöhung der regionalen Wertschöpfung geht. 

Die Green Economy verfügt in der Dreiländerregion Oberrhein über noch unausgeschöpftes grenzüberschreitendes Potential, welches sich mit dem Elan des Green Deals weiter aktivieren wird. Dass die politischen Weichen am Oberrhein dazu schon früh gestellt wurden, kann im Nachhinein als Standortvorteil oder zumindest Grund für die günstige Ausgangslage im Post-Corona-Zeitalter betrachtet werden. Diesen Wettbewerbsvorteil gilt es im Hinblick auf einen erfolgreichen Weiteraufbau der Klima- und Energie-Vorzeigeregion Oberrhein in der kommenden Programmperiode Interreg VI zu nutzen. 

Mit der Carte Blanche bieten wir Fachleuten eine Plattform, auf der sie Impulse zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit geben und ihre Visionen zur Entwicklung im Dreiland darlegen können. Im Jahr 2020 veröffentlichen wir Beiträge zum Thema «Klima und Energie am Oberrhein - Aktuelles, Projekte, neue Technologien und innovative Lösungen». 


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