News Carte Blanche
17.06.2026
«Demokratie im Wandel. Herausforderungen und Perspektiven»
Wir haben enorm viel zu verlieren
Patrick Marcolli, Chefredaktor bz Basel
Ob Demokratie wirklich im Wandel ist? Ich bezweifle, dass das stimmt. Demokratie ist genau zwei Dinge: nicht gottgegeben, so wie wir, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Westeuropa geboren sind, hie und da glauben mochten oder mögen. Und sie ist, im ersten Drittel dieses Jahrhunderts, stark unter Druck geraten von totalitär ausgerichteten Systemen.
Der Schweizer Souverän hat am 14. Juni mit der Ablehnung der SVP-Initiative zur 10-Millionen-Schweiz ein starkes Signal gesetzt: Ein Signal von Autonomie und Offenheit zugleich. Viel Zeit zur Freude bleibt uns nicht. Die Anzeichen verdichten sich, dass unsere beiden Nachbarn im Westen und Norden, Frankreich und Deutschland, kurz- oder mittelfristig deutlich weiter nach rechts rücken werden.
Man kann als Bewohner der Region Basel nur hoffen, dass auch nationalkonservative oder reaktionäre Regierungen in Paris und Berlin die ökonomischen Vorteile von offenen Grenzen den geschlossenen Grenzen zur Abwehr von «Fremden» vorziehen, allen ideologischen Beteuerungen zum Trotz.
Sicher ist das nicht. Die Älteren unter uns wissen noch, wie es war, als jeder Grenzposten um Basel herum besetzt war. Diese Häuschen sind längst dem Verfall geweiht, und was Schlagbäume sind, wissen die meisten jungen Menschen nicht mehr. So dürfte es ruhig weitergehen.
Die Zeichen der Geopolitik jedoch deuten in eine andere Richtung. Demokratie soll sich in diesen Zeiten nicht wandeln. Sie muss wehrhaft werden und vor allem weiter offenbleiben. Einfach wird das nicht. Gerade wir in der Region Basel hätten enorm viel zu verlieren.

