Regio-Standpunkt

19.06.2018

Begegnung und Mehrsprachigkeit fördern

Die mangelnde Kenntnis der Sprache des Nachbarn ist immer noch allzu oft ein Hindernis für den Austausch und das Zusammenwachsen der Grenzregion am Oberrhein. Der Aufbau eines trinationalen integrierten Bildungs- und Wissensraums, in dem der Vermittlung von Kenntnissen der Nachbarsprachen ein zentraler Stellenwert beigemessen wird, ist daher von wesentlicher Bedeutung, um die Mobilität und den Dialog zwischen den Teilregionen zu fördern.

Im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz hat sich über Jahrhunderte ein grenzübergreifender Kultur- und Lebensraum entwickelt, an dem sich viele Staaten bei der transnationalen Zusammenarbeit ein Beispiel nehmen können. Eine kulturelle Einheit, deren steinerne Zeugen die Münster von Basel, Strasbourg und Freiburg sind, eine soziale und wirtschaftliche Zusammenarbeit in einem gemeinsamen alemannischen Sprachraum. 

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist eine Antwort auf die heutige Lage, dass sich immer mehr lokale Probleme nur noch regional lösen lassen. Dies gilt etwa für den öffentlichen Nahverkehr, der regionale Lösungen braucht. Das trifft aber auch auf andere Themenbereiche wie die Wasserversorgung, die Abfallwirtschaft, das Gesundheitswesen, die Energiepolitik oder den Umweltschutz zu. Zugleich entstehen immer mehr Handlungsfelder, die in unserer Grenzregion nur in regionaler Vernetzung effektiv angegangen werden können: Wirtschaftsförderung, kommunales Marketing, Tourismus, Flugverkehr, Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft in wichtigen Zukunftsfeldern wie beispielsweise der Biotechnologie oder der Telekommunikation.

Bei den zunehmenden regionalen Vernetzungen und Kooperationen, über Landes- und Sprachgrenzen hinaus, kommt den Sprachkenntnissen des Einzelnen eine Schlüsselrolle zu. Zwei- und Mehrsprachenerwerb ist Notwendigkeit und Chance zugleich, die es schon im frühen Kindesalter zu nutzen gilt. Man darf dabei nicht übersehen, dass das Erlernen der Nachbarsprache einen besonderen Akzent auf die kulturellen Aspekte und auf Interkulturalität legt, einschliesslich der Fähigkeit, schon sehr früh mit dem Anderen und dem Fremden umgehen zu können.

Die Globalisierung und die aktuelle Europa-Müdigkeit stellen den Oberrhein heute vor zusätzliche Herausforderungen und verlangen eine Weiterentwicklung und Intensivierung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Nur wenn unsere Region ihre Rolle als Pionier- und Modellregion für die Zusammenarbeit in Europa erhalten kann, wird das hohe Niveau von Wohlstand und Sicherheit gewährleistet bleiben. Zur Bewältigung dieser Herausforderungen ist ein intensiver und kontinuierlicher Dialog aller Akteure des trinationalen Oberrheinraums erforderlich. 

Eine Region der grenzüberschreitenden Begegnung und Netzwerke - dies ist eine zentrale Vision für den Oberrhein. Doch erst wenn die Vernetzung greift, kann sie ihren Nutzen für die Bürgerinnen und Bürger entfalten. Eine solche Verstärkung der Partnerschaften und Governance verschafft neue Impulse und eine zusätzliche Dynamik sowie zusätzliche Legitimität. Damit ist zugleich die zentrale Chance und Hürde der Zusammenarbeit am Oberrhein angesprochen: Als die grösste Herausforderung ist, wie oben aufgezeigt, die Förderung der Mehrsprachigkeit der in der Region lebenden Menschen zu sehen. Das gegenseitige Interesse aneinander und der Wunsch nach Dialog, Austausch und freundschaftlichen Beziehungen setzen eine Überwindung der Sprachbarrieren voraus. Der Rückgang der Nachbarsprache als Unterrichtsfach in französischen, deutschen und Schweizer Schulen gibt einen besonderen Anlass zur Sorge. Ebenso wie die überall zunehmende Fixierung auf Englisch als zentrale Fremdsprache.  

Die Regio Basiliensis wird sich als Schweizer Partnerin für die Oberrhein-Kooperation und Kompetenzzentrum erster Wahl für Politik, Wirtschaft, Behörden, Organisationen und Bürger weiterhin für die Dreiländerregion einsetzen und entsprechende Impulse für eine Kontinuität und Verstärkung der Zusammenarbeit geben. Der Förderung der Mehrsprachigkeit messen wir dabei grosses Gewicht zu.

Kontakt: Regio Basiliensis, Dr. Kathrin Amacker, Präsidentin, Tel. 061 915 15 15, E-mail: info@regbas.ch

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