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28.10.2026 / Regio-Standpunkt Nr. 47

Wieso nicht einen Innovationsdialog am Oberrhein etablieren?

In der trinationalen Grenzregion am Oberrhein verschmelzen exzellente Forschung und internationale Zusammenarbeit zu einem dynamischen Innovationsökosystem. Grenzüberschreitende Netzwerke, ein gemeinsamer Arbeitsmarkt, europäische Förderprogramme und gemeinsame Technologiestandorte bringen hier vor allem die Life Sciences, digitale Technologien und Nachhaltigkeit entscheidend voran. Gleichzeitig gibt es Potential, die grenzüberschreitenden Innovationsprozesse zu verbessern. Ein Innovationsdialog Oberrhein wäre ein wichtiger erster Schritt dazu.

In Zeiten immer kürzerer Innovationszyklen und intensiverem Wettbewerb in einer technologiegetriebenen, globalisierten Wissensökonomie ist der Transfer von Forschungsergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft eine der zentralen Voraussetzungen für Innovationskraft und Wohlstand. Und in einem Europa, das auch auf die Stärkung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten baut und zu einer besonders innovationsstarken Weltregion werden möchte, wird eine innovationsorientierte Regionalentwicklung auch in Grenzregionen zu einem wichtigen Thema.

Von der Südpfalz bis zur Nordwestschweiz werden in der deutsch-französisch-schweizerischen Grenzregion am Oberrhein Innovationstransfer, Digitalisierung und Nachhaltigkeit als europäisches Modellprojekt vorangetrieben. Die trinationale Region am Oberrhein ist einer der führenden Innovations- und Forschungsräume Europas. Initiativen wie das Projekt KTUR und Interreg Oberrhein vernetzen Hochschulen, Start-ups und KMUs grenzüberschreitend. Das in zwei Phasen seit Oktober 2019 und bis August 2027 laufende Projekt verfolgt das Ziel, den Oberrhein, der bereits über eine bedeutende Forschungskapazität verfügt, in einen international anerkannten grenzüberschreitenden Innovationshub zu verwandeln und so die Innovationskapazitäten der Unternehmen zu stärken.

Die Innovationslandschaft am Oberrhein stützt sich auf einen bewährten Wissenschafts- und Technologietransfer: Universitäten und Hochschulen arbeiten in regionalen und internationalen Verbünden eng zusammen. Hier können als wichtige Plattformen «Eucor – the European Campus», das Netzwerk der anwendungsorientierten Hochschulen TriRhenaTech und die Säule Wissenschaft der Trinationalen Metropolregion genannt werden. Zudem erleichtern spezielle trinationale Programme Start-ups den Schritt über die Grenze und fördern grenzüberschreitende Innovationsnetzwerke. Ergänzend dazu treibt Interreg Oberrhein die Innovation in der trinationalen Region massgeblich voran, indem es gezielt Forschung, Wissenstransfer und Unternehmenskooperationen über die Grenzen hinweg fördert. Dadurch entstehen wichtige Synergien in einem der stärksten Wirtschafts- und Wissenschaftsräume des Kontinents.

Doch wie kann man die Grenzregion dauerhaft und kontinuierlich als mögliche Arena für Innovationsprozesse etablieren und welche wissenschaftlichen, ökonomischen und politischen Strukturen sowie prozessleitende Faktoren sind dabei zu berücksichtigen? Um ein hohes Mass an Interaktion im Bereich der Innovation zu schaffen, ist es notwendig, die Entwicklung, Umsetzung und Verwirklichung von Innovationen auf der Grundlage gemeinsamer institutioneller, wissenschaftlicher und finanzieller Potenziale sicherzustellen. 

Hier könnte ein Innovationsdialog Oberrhein eine fortlaufende Analyse des Innovationspotenzials sicherstellen. Dieser Dialog könnte zudem den Prozess zur Schaffung eines regionalen Innovationssystems und dessen Steuerung etablieren und damit auch zu einer gemeinsamen Vision führen. 

Um diese Potenziale am Oberrhein zu aktivieren und zu entfalten, braucht es mehr als einzelne Projekte oder Organisationen, entscheidend ist eine Ökosystem-Sichtweise im Sinne eines dynamischen, offenen Netzwerks. Es braucht einen kontinuierlichen Austausch auf lokaler, regionaler und überregionaler Ebene, um gemeinsam neue Lösungen für wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen zu entwickeln. Eine jährliche trinationale Aktionswoche könnte dem Thema zu zusätzlicher Aufmerksamkeit und Verbreitung verhelfen. Dabei geht es nicht nur um finanzielle Mittel, sondern auch um den Zugang zu Wissen, Kooperationen und Netzwerken. 

Hier wäre der Innovationsdialog Oberrhein die Grundlage dafür, dass die Grenzregion in der Lage ist:

  • ihre Potenziale und Herausforderungen gut einzuschätzen;
  • Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und sich selbst kritisch zu hinterfragen;
  • möglichst viele Innovationsakteurinnen und -akteure zu aktivieren und einzubinden;
  • neue Ideen zu aktuellen Herausforderungen zu entwickeln und diese wirksamer zu machen;
  • die soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Region zu stärken.

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