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09.10.2019

Portraitserie «Erfolgreiche Unternehmerinnen im Dreiland»

Unsere neue Portraitserie stellt Ihnen erfolgreiche Unternehmerinnen aus dem Dreiland vor. Der erste Beitrag widmet sich Valérie Demenga, Geschäftsführerin der Demenga Glas AG in Basel.

Das Familienunternehmen Demenga Glas AG ist eine der traditionsreichsten Glasereien in Basel. Die Faszination für das Glashandwerk geht bis 1765 zurück, als Joseph Demenga dieses Handwerk im Calancatal in Graubünden erlernte. Ende des 19. Jahrhundert zogen die Glaser Demenga aus wirtschaftlichen Gründen in die Städte, unter anderem nach Basel, wo Alfons Demenga eine kleine Glaserei eröffnete und den Grundstein der jetzigen Demenga Glas AG setzte. Heute deckt das Familienunternehmen alle Bereiche der Glaserbranche ab, inklusive der Montage an Neu- oder Umbauten im Aussen- und Innenbereich und zählt auch Einsätze an der Art Basel oder der Basel World zu ihrem Portfolio. 

Valérie Demenga leitet heute die Geschäfte der Demenga Glas AG. Sie übernahm bereits 1992 zum ersten Mal gemeinsam mit ihrem Bruder Christophe die Führung des Familienunternehmens von ihrem Vater. Berufsbegleitend erlangte sie das Diplom für Unternehmungsführung für KMU. 1995 verliess sie die Firma, ohne aber ihr Amt als Verwaltungsratspräsidentin aufzugeben, und arbeitete als Liegenschaftsbewirtschafterin im administrativen und technischen Bereich bei der ATAG Ernst & Young in Basel. Einen kurzen Aufenthalt verbrachte sie in der Romandie bei Nestlé im Supply Chain Management, kehrte aber 1998 aus familiären Gründen zurück nach Basel, machte sich selbständig und verwaltete und bewirtschaftete einige kleinere und grössere Immobilien in Basel und Umgebung. Seit 2017 steht Valérie Demenga nun wieder an der Spitze des Familienunternehmens. 

Die Familie und das Familienunternehmen sind in Basel und der Dreiländerregion fest verwurzelt. So erlebte beispielsweise Valérie Demengas Grossmutter den Wirrwarr des Zweiten Weltkrieges hautnah mit. Der Vater der Grossmutter stammte aus dem deutschen Lothringen und die Mutter aus St Blasien im Schwarzwald. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als Lothringen wieder zu Frankreich gehörte, waren alle ihre Verwandte aus Lothringen plötzlich wieder Franzosen. Die Grossmutter floh mit ihren Eltern nach Basel, wo sie in Lange-Erlen aufwuchs. Sie fühlte sich dem Elsass und dem Schwarzwald weiterhin sehr verbunden und nahm ihre Enkel oft in den Schwarzwald mit, wo die Kinder Skifahren lernten. Ins nahe Elsass machte die Familie oft Familienausflüge und verbrachte in Kembs Löchli die Sonntage. Das Elsass prägte auch die Firmengeschichte und seit den Anfängen beschäftigt die Glaserei Glasmonteure aus dem Elsass. 

Schon ganz jung wollte Valérie Demenga ihre Unabhängigkeit und auf eigenen Füssen stehen. Ihre Grosstante Miggy Demenga besass bereits in den 20er Jahren ein eigenes Damenmodegeschäft und ein Schneideatelier in Basel, lebte mit ihrem Lebensgefährten zusammen und war aber ledig. «Sie hat mich immer wieder beeindruckt und sicherlich auch beeinflusst», sagt Valérie Demenga über ihre Grosstante. 

Geschäftliche Herausforderung geht sie strategisch und zielorientiert an. Für sie ist eine möglichst exakte Planung und Organisation sehr wichtig. Sie begleitet grössere Projekte von Anfang an, kennt jeden Schritt und ist über jedes Detail informiert, um im richtigen Moment die richtige Entscheidung treffen zu können. Die Bedürfnisse und Anforderung der Kunden ändern sich ständig. Projekte werden technisch tendenziell komplexer und anspruchsvoller. «Oft überlegen wir uns in solchen Fällen, wie wir diese Wünsche technisch umsetzen können. Aber genau dies bringt uns weiter! Wir können an unseren Aufgaben wachsen und haben uns über die Jahre eine hohe Kompetenz erarbeitet», führt Valérie Demenga aus, ganz nach dem Motto «Geht nicht, gibt es bei uns nicht». Um dies zu erreichen, sind ein gutes Arbeitsklima und zufriedene Mitarbeiter von entscheidender Bedeutung. Deshalb legt sie neben harten Faktoren wie Löhnen einen besonderen Wert auf Softfaktoren wie beispielsweise die optimale Ausrüstung der Mitarbeiter.

Handlungsbedarf sieht Valérie Demenga auch weiterhin bei der Förderung von Frauen in der Arbeitswelt und befürwortet eine Frauenquote für Grosskonzerne und -betriebe, um die Sensibilisierung für weibliche Topkandidatinnen zu stärken. Dabei soll es nicht darum gehen, Frauen per se zu bevorzugen, sondern sie als gleichberechtigte Kandidaten anzusehen. Als sie und ihr Bruder die Glaserei 1992 übernahmen, waren Frauen weder auf Baustellen noch bei Baustellenbesprechungen oder -begehungen vertreten und es sind nach wie vor wenig Frauen anzutreffen. «Frauen sind heute im Allgemeinen selbstbewusster als früher und können sich in jeder Branche durchsetzen, auch in der Baubranche», davon ist Valérie Demenga überzeugt. 

Als ihren persönlichen Erfolg sieht Valérie Demenga, dass sie es schafft, ihre Familie und ihre Arbeit unter einen Hut zu packen. Das bedeutet für sie präsent zu sein, der Familie einen Ort der Geborgenheit und Sicherheit zu geben, Bedürfnisse abzudecken aber gleichzeitig den Fokus zur Ausführung der Arbeit nicht zu verlieren. «Das kann zwischendurch zu einer Gratwanderung werden.» Ohne Unterstützung ihres Ehemannes wäre dies nicht möglich gewesen, denn Kindertagesstätten hatten lange Wartelisten und die Chance einen Platz zu kriegen waren äusserst gering. 

«Um dem Wandel der Zeit entgegen zu wirken, muss man sich immer wieder neu positionieren», findet Valérie Demenga. Ihr Ziel mit der Demenga Glas AG ist es, die über 125-jährige Firma weiterzuführen und die Arbeitsplätze zu sichern, denn ein Unternehmen mit Mitarbeitern zu führen, heisst auch immer, soziale Verantwortung für Familien zu tragen. Zudem beschäftigt das Familienunternehmen die Lehrlingsfrage immer mehr. Die Anfragen für Lehrstellen als Glaser werden jedes Jahr weniger. Mit Mitgliedschaften bei nationalen und regionalen Berufsverbänden hofft sie, einen Weg zu finden, jungen Leuten dieses Handwerk näher bringen zu können und ihr Interesse zu wecken. Sie ist sich auch bewusst, dass die digitale Transformation, die verschiedenen Verlinkungen und die Präsenz im Internet immer wichtiger werden und ein Umdenken erfordern. Präzision, Schnelligkeit und Zuverlässigkeit werden von den Kunden erwartet. In der eigenen Produktion, in der Gläser oder Spiegel einzeln und individuell angefertigt werden, ist eine Digitalisierung nur beschränkt einsetzbar. Valérie Demenga ist bereit, das Familienunternehmen auf seinem Erfolgskurs weiterzuführen und die verschiedenen Herausforderungen anzunehmen.

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