Regio-Standpunkt

13.11.2019 / Regio-Standpunkt Nr. 18

Hochschul- und Forschungskooperation am Oberrhein: Es braucht die Beteiligung der Schweiz an Erasmus+ und Horizon Europe

Die seit mehreren Jahren hervorragend funktionierende Kooperation zwischen den Hochschulen und Forschungseinrichtungen am Oberrhein hat weiterhin ein grosses Potential für die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit der Region. Die Regio Basiliensis setzt sich für die Weiterentwicklung der Bildungs- und Forschungskooperation Schweiz-EU ein.  

Mit dem trinationalen Verbund EUCOR – The European Campus bündeln die Universitäten Basel, Freiburg, Haute-Alsace, Strasbourg und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in der Oberrheinregion ihre Kompetenzen. 15’000 Forschenden, 13’500 Promovierenden sowie 117’000 Studierenden sprechen für das Potential dieser Zusammenarbeit. Daneben umfasst die Allianz TriRhenaTech 20 Hochschulen für Ingenieurwissenschaften, Architektur und Management in der Oberrheinregion. Ziel der Allianz ist es, einen gemeinsamen Ansatz des Bildungs-, Forschungs-, Entwicklungs- und Technologietransfers im Bereich der angewandten Wissenschaft zu fördern. Mehr als 30 bi- und trinationale Studiengänge ermöglichen es jungen Menschen sich länderübergreifend zu spezialisieren und ihre sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen auszubauen. Zusätzliche 63 Fachhochschulen und höheren Bildungsinstitutionen sowie 167 Forschungseinrichtungen und zahlreiche innovative Unternehmen sind ein weiterer Beleg für das hohe Forschungs-, Bildungs- und Innovationspotenzial in der Grenzregion. 

Für die Zukunftsfähigkeit der Oberrheinregion gilt es, die grenzüberschreitende Vernetzung weiter auszubauen, um sich als wettbewerbsfähige und innovationsstarke Region langfristig zu positionieren. 

Die EU-Kommission legte Ende 2017 ihre Vorstellungen von der Einrichtung eines europäischen Bildungsraums bis 2025 vor. Nach ihrer Auffassung sind Bildung und Kultur von wesentlicher Bedeutung bei der Bewältigung grosser Herausforderungen wie der alternden Erwerbsbevölkerung, der fortschreitenden Digitalisierung und des künftigen Kompetenzbedarfs auch im Hinblick auf die Förderung kritischen Denkens und der Medienkompetenz. Ein Projekt der EU ist die Einführung von europäischen Universitäts-Netzwerken in Form der «European University Alliance». Diese Initiative zielt auf Zusammenschlüsse von Universitäten in unterschiedlichen europäischen Ländern ab, die mithilfe einer Langzeitstrategie europäische Werte und hochqualitative Lehre vermitteln und somit die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Hochschulbildung stärken sollen. Aus 54 Bewerbergruppen hat die EU-Kommission nun im Juni 2019 17 ausgewählt. EPICUR - «European Partnership for an Innovative Campus Unifying Regions» - ist eine von ihnen. Beteiligt sind die oberrheinischen Universitäten Freiburg, Strasbourg und Haute-Alsace sowie des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gemeinsam mit der Adam Mickiewicz Universität Poznan, der Universität für Bodenkultur Wien, der Aristoteles Universität Thessaloniki und der Universität von Amsterdam.

Die Initiative der Europäischen Hochschulen ist in der EU-Förderung an das Erasmus+ Programm gekoppelt, das auf die Förderung der internationalen Mobilität und Kooperation in den Bereichen Bildung, Jugend und Sport zielt. Da die Schweiz an diesem Programm zurzeit nicht teilnimmt, kann die Universität Basel, die im trinationalen Universitätsverbund EUCOR bereits mit den vier anderen oberrheinischen Hochschulen kooperiert, nicht an EPICUR teilnehmen. Sie läuft somit Gefahr, von den aktuellen und zukünftigen europäischen Entwicklungen in den Bereichen der Bildung, Lehre und Forschung abgehängt zu werden. Die Mitwirkung der Schweizer Bildungs- und Forschungseinrichtungen an zukünftigen europäischen Projekten und Massnahmen steht somit auf dem Spiel. Das birgt auch eine Herausforderung für die Oberrheinregion, welche von einer Kooperation, die Schweizer Partner involviert, profitiert. 

Die aktuelle Schweizer Lösung für die Förderung der internationalen Mobilität in der Bildung ist aus Sicht der Regio Basiliensis für die Weiterentwicklung der grenzüberschreitenden und europäischen Bildungskooperation unzureichend. Von einer Einigung über das institutionelle Abkommen Schweiz–EU hängt nun ab, ob die Schweiz ab 2021 ohne Einschränkungen und Verzögerungen am neuen Forschungsprogramm teilnehmen kann. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit erlaubt den Spagat zwischen globaler Ausrichtung und nationalstaatlicher Gebundenheit der Bildungs-, Forschungs- und Innovationsakteure. Entsprechend braucht es eine Schweizer Beteiligung an Erasmus+ und Horizon Europe. 

Kontakt:
Regio Basiliensis, Dr. Manuel Friesecke, Geschäftsführer, Tel. 061 915 15 15,
E-Mail: info@regbas.ch

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