News Carte Blanche
18.02.2026
«Demokratie im Wandel. Herausforderungen und Perspektiven»
Eine starke SRG nützt allen – vor allem der Demokratie
Ina Bullwinkel, Chefredaktorin von Bajour
Als Journalistin ist mir sehr bewusst, wie unermesslich der Wert einer freien, schlagkräftigen Presse ist. Es schmerzt mich, immer wieder von Massenentlassungen und Sparrunden bei grossen Verlagshäusern zu hören oder von jungen Publikationen, die wieder eingestampft werden. Viele Medien befinden sich im Überlebenskampf. Ihr Geschäftsmodell aus Abonnements und Werbeeinnahmen ist weggebrochen.
Menschen in manchen Regionen bekommen keine Nachrichten mehr über das geliefert, was vor ihrer Haustür geschieht. In den USA ist schon heute Realität, dass ganze Landstriche nicht mehr auf irgendein unabhängiges, journalistisches Lokalmedium zurückgreifen können.
Mündige Bürger*innen brauchen jedoch neutrale Informationen aus verschiedenen Quellen, um sich eine eigene Meinung bilden und einordnen zu können, was die Regierung und andere Mächtige entscheiden und umsetzen. Es braucht kritische Journalist*innen, die Nachfragen stellen, Antworten hinterfragen und Missstände aufdecken. Aber die Medienbranche ist in der Abwärtsspirale. Wenn auf Redaktionen immer mehr gespart und gestrichen wird, nehmen Qualität, Tiefe und Diversität der Medien ab und das Vertrauen in den Journalismus sinkt. Und mit dem Vertrauen in den Journalismus sinkt das Vertrauen in die Gesellschaft. Irgendwann fehlt der Kitt, der uns zusammenhält. Siehe USA.
Die SRG ist ein wichtiger Pfeiler für den Journalismus und für den Zusammenhalt. Die umfangreiche Berichterstattung in allen vier Landessprachen findet man nirgendwo anders. Sollte die Halbierungsinitiative angenommen werden, bleibt kein Service-Public-Stein auf dem anderen. Der Standort in Basel wird höchstwahrscheinlich komplett stillgelegt, genauso wie andere regionale Standorte.
Doch auch wenn die Initiative nicht durchkommt, läuft ein vom Bundesrat in Auftrag gegebener Sparkurs, der die SRG in allen Bereichen zum Schrumpfen zwingt. Die seltsame und durch Studien widerlegte Behauptung, dass private Medien gestärkt würden, wenn es einen Abbau bei der SRG gibt, führt ins Leere und ist eine billige Ausrede für den politisch motivierten Angriff auf den medialen Service Public, den wir gerade erleben. Guter Journalismus kostet Geld. Und gerade in einer direkten Demokratie sollte uns unabhängiger (Lokal-)Journalismus etwas wert sein.

