Regio-Standpunkt

23.08.2017

Geoblocking - gegen Grenzen im Internet am Oberrhein

Das Internet kennt keine Grenzen, könnte man meinen. Doch eine Technik namens Geoblocking verhindert regelmässig, dass wir in Deutschland und Frankreich Schweizer Fernsehen im Netz anschauen können und umgekehrt Schweizer keinen Zugriff auf Sendebeiträge oder Video-Streams im Nachbarland haben.

Die EU will nun innerhalb ihrer Grenzen bis 2018 das Geoblocking abschaffen. Live-Streams von kostenpflichtigen Diensten wie dem Sportsender Sky Go, Netflix oder Amazon müssen dann auch im Ausland gezeigt werden. Relevant ist dabei das Angebot im Heimatland. Wer ein Abonnement etwa für ein Film- oder Audioangebot hat, soll künftig im EU-Ausland die gleiche Auswahl an Filmen oder Musik haben wie daheim.

Für viele kostenlose Online-Angebote der Fernsehanstalten wird die EU-Regelung allerdings erst einmal nicht gelten. Eine Mehrheit des EU-Parlament konnte sich noch nicht auf eine entsprechende Regelung einigen. Das Verbot des Geoblocking gilt auch nicht für Online-Dienste, die ihren Kunden Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken oder anderen geschützten Inhalten gewähren. 
Im Zuge der Globalisierung, der europäischen Einigung und der Umsetzung der Bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der Europäischen Union nehmen die grenzüberschreitenden Beziehungen und Verflechtungen in Politik, Wirtschaft und Kultur laufend an Bedeutung zu. Die wirtschaftlichen Verflechtungen in der deutsch-französisch-schweizerischen Grenzregion am Oberrhein sind dabei besonders hoch. 

Der trinationale Oberrhein ist ein gemeinsamer Kultur- und Lebensraum. Die Verbindung und Vernetzung verschiedener Medien auch und gerade über nationale und kulturelle Grenzen hinweg, vom Radio über das Internet bis zum Fernsehen, zu Zeitungen und Online- Diensten trägt massgeblich zur Integration am Oberrhein bei. Ein Mehrwert für den Oberrheinraum entsteht jedoch nur, wenn die Kommunikations-Technologien zwischen den Nachbarn im Grenzgebiet vernetzt werden. Geoblocking muss in Grenzregionen aufgehoben werden und bei der zu erwartenden EU-Regelung müssen mit der Schweiz analoge Lösungen gefunden werden.

Dr. Manuel Friesecke
Geschäftsführer Regio Basiliensis

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